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Die Geschichte der Kaserne des AFSBw PDF Drucken E-Mail

Frankfurt/Hausen

Während der Zeit der Wiederaufrüstung, nach Erlangung der vollständigen Wehrhoheit durch das Deutsche Reich, begann in Hitlerdeutschland ein Bauboom ohne gleichen. Durch die schnell wachsende Truppenstärke der Wehrmacht wurde es notwendig zahlreiche Kasernenneubauten im gesamten Reichsgebiet zu errichten.

Torbogen an der Tilsiter Straße während des 2. WeltkriegesAuch in Frankfurt am Main kam es zu einer regen Bautätigkeit für das Heer und die neugeschaffene Luftwaffe. Der damalige Oberbürgermeister Dr. Krebs setzte sich besonders für die Stationierung von Luftwaffeneinheiten ein. Neben mehreren Flugplätzen, unter anderem am Rebstock, wurde die größte Flak - Kaserne Deutschlands auf dem Gelände des heutigen Industriehofes im Stadtteil Hausen errichtet.

Im Herbst 1936 wurden mehrere Geländeabschnitte in Frankfurt auf die Möglichkeit des Neubaues einer Kaserne für Flakeinheiten besichtigt. Am 12. Dezember des Jahres entschied sich eine Kommission aus Vertretern der Reichsbauverwaltung, der Stadt Frankfurt, des Regierungspräsidiums Wiesbaden und des Luftgaukommandos IV Münster für das Gelände zwischen der Hausener Landstraße (Steubenstraße) und der Hindenburgstraße (Ludwig Landmann Straße).

Zwischen der Stadt Frankfurt und dem Reichsfiskus wurde ein Vertrag geschlossen, nachdem sich das Reich verpflichtete pro Quadratmeter vier Reichsmark an die Stadtkasse zu zahlen. Die Zahlung sollte jedoch erst erfolgen, wenn das Reich das Gelände nicht mehr für Zwecke der Truppenstationierung bzw. der Verteidigung benötigte.

Auf dem 262.576 qm großen Areal wurde ab Januar 1937 mit den Bauarbeiten für die spätere Heimat des Flak - Regimentes 29 begonnen. Während der Bauzeit wurde diese Einheit notdürftig in Kasernen in Frankfurt - Höchst untergebracht. Im Sommer 1938 verfügte das Regierungspräsidium Wiesbaden einen Baustopp, da die Baupläne nicht bei der zuständigen Baubehörde vorlagen. Dieser wurde jedoch kurz darauf auf höchsten Befehl aufgehoben und Ende 1938 wurde die Flak - Kaserne Hausen an die Truppe übergeben.

Luftbild vom 23.März 1945Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Liegenschaft weiterhin durch das Flak - Regiment 29 und dessen Ersatzabteilungen genutzt. Im Verlauf des Luftkrieges wurde die Anlage mehrfach, vornehmlich in den Jahren 1944 und 1945, durch Bombenangiffe stark in Mitleidenschaft gezogen.

Nach dem Krieg wurden die noch nutzbaren Gebäude der Kaserne einer zivilen Verwendung zugeführt. Viele Betriebe aus dem stark zerstörten Frankfurt nahmen hier Ende 1945, Anfang 1946 die Nachkriegsproduktion wieder auf. Viele Frankfurter und Flüchtlinge aus den Ostgebieten fanden in den Kasernenbauten eine erste, notdürftige Unterkunft. Ab dem Zeitpunkt der Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1949 wurde das ehemalige Militärgelände durch das Bundesvermögensamt verwaltet und teilweise Verkauft.

Am 8. Januar 1956 wurde der Autohof West auf 30.000 qm der Kaserne, die jetzt Industriehof genannt wurde, eröffnet. Hierzu gehörten ein Parkplatz für 150 Lastkraftwagen, eine Gaststätte und ein Hotel mit 65 Betten. Andere Betriebe hatten sich zu dieser Zeit ebenfalls auf dem Gelände etabliert und zum Teil neue Produktionsstätten errichtet. Die Bebauung mit Wohngebäuden wurde ebenfalls fortgesetzt. Am 31. Januar 1958 wurden die Straßen des Industriehofes nach ostpreussischen Städten benannt.

Mit Aufstellung der Bundeswehr in den Jahren 1955/56 wurde ein Teil der Flak - Kaserne erneut einer militärischen Nutzung zugeführt. Als erste Dienststelle nahm im Herbst 1956 das Kreiswehrersatzamt Frankfurt seinen Betrieb auf und begann ab Januar 1957 mit dem Musterungsbetrieb im Gebäude D. Teile der anderen Gebäude der heutigen Kaserne Hausen waren zu dieser Zeit noch an verschiedene Firmen vermietet. Bis 1973 existierte ein Lebensmittelgeschäft im Block D. Die Spedition Schmidt und die Schreinerei Ape waren die letzten Betriebe die 1975/76 aus den Gebäuden auszogen.

Gebäuede E

Der Block E (Mittelbau) wurde bis 1978/79 durch die Bezirksverwaltung der Standortverwaltung Mainz genutzt.

 

 

Im Juli 1970 wurde dem Vorkommando des AFSBw die Liegenschaft vorgeschlagen und im November 1971 endgültig zugewiesen. Der Stabszug des AFSBw etablierte sich im Block F. Das Kreiswehrersatzamt Frankfurt wurde im April 1973 nach Eschborn/Taunus verlegt. Mitte der siebziger Jahre erhielt die Kaserne einen Zaun.

In den siebzigern JahrenDer nach dem Auszug des Kreiswehrersatzamtes verwaiste Block D stand bis zu seiner Renovierung in den Jahren 1997/98 leer. Im September 1998 wurden die Abteilung II, Teile des Stabes des AFSBw, der Wehrdienstberater Frankfurt, die hauptamtlichen Jugendoffiziere und der FmSysAbsch 401 in dem sanierten Gebäude untergebracht. Im Block F befand sich weiterhin der Stabszug des AFSBw sowie das Verbindungskommando 473, das dem Verteidigungsbezirkskommando 47 in Giessen untersteht.

Abriss Gebäude E 1995

Gebäude F 1998

Die Kaserne März 2003Mit der Verlegung von Teilen des AFSBw vom Standort Offenbach nach Frankfurt - Hausen und Langen im April 2002 sind heute der Leiter mit dem Stab und Teilen der Gruppe II in dem Gebäude D untergebracht.

 

 

Quellen und Bildnachweis:
1. Bestände des Institutes für Stadtgeschichte, Frankfurt
2. Bestände des AFSBw und der WBV IV
3. Bestände des Staatsbauamtes Frankfurt
4. Christian Wibbe

Verfasser:
Dieter Alt, Hauptfeldwebel
ehemals Amt für Flugsicherung der Bundeswehr